Kein weißes Blatt: Eine Vater-Tochter-Biografie von Susanna Filbinger-Riggert. Eine bewegende Lebensgeschichte im Spannungsfeld zwischen Schuld und Verantwortung

Susanna Filbinger wächst mit der politischen Karriere ihres Vaters auf, wird zu seiner engen Vertrauten. Auch seinen jähen Fall erlebt sie aus nächster Nähe: Konfrontiert mit den Vorwürfen über seine Marinerichter-Tätigkeit in der NS-Zeit sieht er sich zum Rücktritt gezwungen. Was für den Politiker das Ende bedeutet, wird für seine Tochter zum Anfang. Susanna Filbinger geht mit Erfolg ihren eigenen Weg – die Vergangenheit abschütteln kann sie nicht. Als ihr Vater stirbt, gibt die Entdeckung seiner Tagebücher den Impuls zur Aufarbeitung des Geschehenen: Susanna Filbinger macht sich auf die Suche nach der Wahrheit. Eine bewegende Lebensgeschichte im Spannungsfeld zwischen Schuld und Verantwortung.

Kein weißes Blatt

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Kein weißes Blatt: Eine Vater-Tochter-Biografie von Susanna Filbinger-Riggert
Gebundene Ausgabe: 283 Seiten
Campus Verlag
Auch als E-Book erhältlich
Leseprobe: Kein weißes Blatt: Eine Vater-Tochter-Biografie von Susanna Filbinger-Riggert

Der Rezensionist vergibt für Kein weißes Blatt: Eine Vater-Tochter-Biografie von Susanna Filbinger-Riggert 5 von 6 Sternchen. Mit bemerkenswerter Offenheit schildert Susanna Filbinger-Riggert ihre Suche nach der Wahrheit und die damit verbundene eigene Zerrissenheit.

Nach dem Tod von Hans Filbinger findet Susanna Filbinger-Riggert die Tagebücher ihres Vaters. Sie geben den Anstoß für eine Auseinandersetzung mit dem eigenen Leben. Mit großer Offenheit schildert die Autorin ihre bewegende Geschichte und erzählt von ihrem Verhältnis zum Vater.

Susanna Filbinger erlebt als junges Mädchen den politischen Aufstieg ihres Vaters Hans Filbinger zum Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg ebenso mit, wie seinen jähen Fall im Jahr 1978: Konfrontiert mit den Vorwürfen über seine Tätigkeit als Marinerichter in der NS-Zeit sieht er sich zum Rücktritt gezwungen. Viele Jahre lebt Susanna Filbinger im Ausland, doch die Vergangenheit lässt sie nicht los. Als sie nach Hans Filbingers Tod im Jahr 2007 seine Tagebücher entdeckt, beginnt sie sich intensiv mit dem Leben ihres Vaters zu beschäftigen – und damit auch mit ihrem eigenen.

Mit bemerkenswerter Offenheit schildert Susanna Filbinger-Riggert ihre Suche nach der Wahrheit und die damit verbundene eigene Zerrissenheit. Es ist eine bewegende Lebensgeschichte im Spannungsfeld zwischen Schuld und Verantwortung, die sie nun
erstmals in ihrem sehr persönlichen Buch Kein weißes Blatt: Eine Vater-Tochter-Biografie von Susanna Filbinger-Riggert erzählt.

Was bedeutet die hautnahe Auseinandersetzung mit der Geschichte ihres Vaters für die eigene Entwicklung?

Und wie baut man mit dieser Vorgeschichte ein eigenes, neues und unbelastetes Leben auf?

Fesselnd und emotional schildert Susanna Filbinger-Riggert ihren Kampf um Eigenständigkeit und eigene Identität. Das Buch „Kein weißes Blatt: Eine Vater-Tochter-Biografie von Susanna Filbinger-Riggert“ ist eine spannende Familiengeschichte, die zeigt, was es heißt, Tochter eines Politikers zu sein und unter dem Druck der Öffentlichkeit zu leben. Emotional, stimmungsvoll und mit Humor geschrieben, bietet die Autorin neue Sichtweisen an.

Susanna Filbinger-Riggert, Jahrgang 1951, lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Düsseldorf. Sie studierte Geschichte, Politik und Volkswirtschaft in Freiburg, Tokyo, München und London und lebte viele Jahre in den USA. Seit 1993 ist sie als selbstständige Unternehmensberaterin mit Schwerpunkt auf interkultureller Strategieberatung von US-Unternehmen im Dienstleistungs- und Finanzbereich tätig.

Hans Karl Filbinger (* 15. September 1913 in Mannheim; † 1. April 2007 in Freiburg im Breisgau) war ein deutscher Politiker (CDU). Von 1966 bis 1978 war er Ministerpräsident Baden-Württembergs, von 1971 bis 1979 zudem Landesvorsitzender, von 1973 bis 1979 auch einer der stellvertretenden Bundesvorsitzenden der CDU. Als Ministerpräsident erreichte der katholische Jurist die Abschaffung der Konfessionsschule, eine umfassende Verwaltungsreform und absolute CDU-Mehrheiten in seinem Bundesland.

1978 wurden infolge seiner Unterlassungsklage gegen den Dramatiker Rolf Hochhuth schrittweise vier Todesurteile bekannt, die Filbinger, damals NSDAP-Mitglied, als Marinerichter 1943 und 1945 beantragt oder gefällt hatte. Durch seine Reaktionen auf die Entdeckungen verlor Filbinger den Rückhalt der Öffentlichkeit und seiner Partei und trat schließlich am 7. August 1978 als Ministerpräsident zurück. 1979 gründete er das rechtskonservative Studienzentrum Weikersheim, dem er bis 1997 vorstand. Bis zu seinem Tode zeigte er kein Schuldbewusstsein und bemühte sich um seine Rehabilitierung. Filbingers Vater Johannes Filbinger, ein Bankangestellter, stammte aus dem oberpfälzischen Kemnath. Seine Mutter Luise Filbinger, geborene Schnurr, die bereits 1918 verstarb, kam aus dem badischen Sasbach. Auf dem dortigen großelterlichen Hof verlebte Hans Filbinger die Zeit des Ersten Weltkriegs und später viele Ferienzeiten. Die Gemeinde Sasbach, die Filbinger als seine eigentliche Heimat ansah, ernannte ihn 1968 zum Ehrenbürger.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten forderte Filbinger in einem „Gaubrief“ im April 1933 seine Bundesbrüder auf, weiterhin Charakterfestigkeit gegenüber „widerchristlichen und volksfremden Kräften“ zu zeigen und den „Dienst am Vaterland“ aus und nach ihrem Gewissen zu üben. Zugleich warnte er vor unkluger, unnötiger und voreiliger Kritik, insbesondere gegenüber der neuen Obrigkeit, selbst wenn diese den Bund verkennen sollte.

Im Sommersemester 1933 begann Filbinger Rechtswissenschaft und Volkswirtschaft an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg zu studieren, unterbrochen 1934/35 von zwei Semestern an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Die Studienstiftung des deutschen Volkes wählte Filbinger laut der schriftlichen Aussage seines Freundes Max Müller, damals Leiter der Ortsgruppe der Studienstiftung in Freiburg, nicht als Stipendiaten aus, weil er „einen ausgesprochen religiösen und konfessionellen Weltanschauungshorizont“ gehabt habe. 1937 legte er die erste juristische Staatsprüfung am Oberlandesgericht Karlsruhe ab und begann sein Referendariat. 1939 wurde er mit der Note magna cum laude bei Hans Großmann-Doerth in Freiburg über das Thema Die Schranken der Mehrheitsherrschaft im Aktien- und Konzernrecht promoviert. Danach wurde er zuerst Assistent, dann Lehrbeauftragter an der Juristischen Fakultät der Universität Freiburg. 1940 legte er die zweite juristische Staatsprüfung ab.

Filbinger war von 1933 bis 1936 Mitglied des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes (NSDStB) und des Wehrsportverbands der Freiburger Universität, der 1934 in die SA überführt wurde. Dort zahlte er bis 1937 seine Beiträge, ließ sich aber von aktiven Diensten freistellen. Mit der allmählichen Lockerung der Aufnahmesperre für Neumitglieder wurde er im Mai 1937 in die NSDAP aufgenommen und bis 1945 als Mitglied geführt. 1937 bis 1945 war er zudem im NS-Rechtswahrerbund. In allen Mitgliedschaften blieb er ohne Rang und Funktion. Er gehörte auch zum Freiburger Kreis um Karl Färber.

1946 erklärte Filbinger in seinem Entnazifizierungsverfahren diese Mitgliedschaften damit, dass er mangels finanzieller Unterstützung seiner Eltern auf Stipendien angewiesen gewesen sei, die nur als „politisch zuverlässig“ geltende Juristen erhalten hätten. In der Revisionsbegründung seines Entnazifizierungsverfahrens im Februar und April 1949 sagte er, er habe keinen Mitgliedsausweis erhalten und die Mitgliedsbeiträge nur bis Anfang 1939 bezahlt. Nach Auskunft des Bundesarchivs war sein Aufnahmeantrag der Ortsgruppe Unterwiehre in Baden vom 20. Mai 1937 datiert. Auf der Mitgliedskarte ist vermerkt, dass Filbinger zwischenzeitlich nach Paris verzogen war. Tatsächlich war Filbinger 1938/39 in Paris, wobei ihm das badische Justizministerium die Annahme einer Stelle bei der Chambre de Commerce Allemande (übersetzt „Deutsche Handelskammer“) untersagte.

1940 meldete sich Filbinger freiwillig zur Kriegsmarine und wurde zum 30. August 1940 einberufen. Er schloss einen Offizierslehrgang ab und wurde 1943 Oberfähnrich zur See. Am 21. März 1943 wurde er für seine künftige Tätigkeit als Marinerichter vom Soldatendienst freigestellt. Ab April 1943 war er „Marinehilfskriegsgerichtsrat“, zunächst am Gericht des Befehlshabers der Sicherung der Nordsee, Zweigstelle Cuxhaven. Von Mai bis August 1943 diente er am Gericht des Küstenbefehlshabers Deutsche Bucht und des 2. Admirals der Ostseestation, Zweigstelle Westerland. Von August 1943 bis November 1944 diente er beim Gericht des Admirals der norwegischen Polarküste, Zweigstelle Kirkenes; in den davon erhaltenen Gerichtsakten fehlt sein Name. Nach eigener Angabe verließ er dieses Gericht am 25. Oktober 1944, da die deutsche Front nach der Räumung Finnlands zurückverlegt worden sei. Im November und Dezember 1944 war er in Tromsø am Gericht des Admirals der norwegischen Polarküste, ab Januar 1945 bis Kriegsende beim Gericht des Kommandanten der Seeverteidigung Oslofjord in Oslo tätig. Dort geriet er bei Kriegsende in britische Kriegsgefangenschaft. Die Briten setzten ihn bis Februar 1946 an seinem bisherigen Gericht weiter ein, da sie die deutsche Militärgerichtsbarkeit für die deutschen Kriegsgefangenen weitgehend bestehen ließen.

Filbinger war nach den erhaltenen Strafverfahrenslisten an mindestens 234 Marinestrafverfahren beteiligt, 169-mal als Vorsitzender Richter, 63-mal als Ankläger. In vier Fällen ging es um Todesstrafen, die Filbinger je zweimal beantragt oder gefällt hatte. Diese Fälle wurden erst 1978 aufgedeckt und dann breit diskutiert.

Informationen zu Hans, Filbinger im BAM-Portal